Ein regionaler Entsorgungsprofi zeigt seine ganze Leistungsbreite
Bei einer Betriebsbesichtigung öffnete die Firma Schaumaier ihre Türen für die Mitglieder der Mittelstandsunion Traunstein und interessierte Gäste.
Traunstein – Bei einer Betriebsbesichtigung öffnete die Firma Schaumaier ihre Türen für die Mitglieder der Mittelstandsunion Traunstein und interessierte Gäste. Die Teilnehmer erhielten von Claus Egger, Geschäftsführer der Firma Schaumaier, einen umfassenden Einblick in die Arbeitsabläufe, Standorte und Zukunftsstrategien eines der bedeutendsten Entsorgungsunternehmen in Südostbayern.
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis in die 1950er‑Jahre zurück. Aus einem kleinen Transportbetrieb entwickelte sich über Jahrzehnte ein leistungsstarker Mittelständler, der heute rund 260 Mitarbeiter beschäftigt. Mit über 70 LKWs im täglichen Einsatz zählt Schaumaier zu den größten Akteuren im regionalen Entsorgungsbereich. „Wir sind ein Familienbetrieb mit Tradition – aber wir denken und arbeiten längst hochmodern“, betonte Geschäftsführer Claus Egger während des Rundgangs. Das Einzugsgebiet reicht von Wörgl in Tirol über die Landkreise Berchtesgadener Land, Traunstein und Mühldorf. „Unsere Stärke ist die regionale Nähe. Wir kennen die Kommunen, die Betriebe und ihre Bedürfnisse – und reagieren schnell und zuverlässig.“
Neben einigen weiteren Wertstoffhöfen im Landkreis betreibt die Firma Schaumaier den größten und neuesten Wertstoffhof in Obing, der erst in diesem Jahr eröffnet wurde. Die Anlage umfasst rund 5.500 Quadratmeter und dient als zentraler Umschlag- und Sortierpunkt für Wertstoffe aus Haushalten und Gewerbe im nördlichen Landkreis.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Standort Burgkirchen, direkt bei Klöckner Pentaplast. Dort kümmern sich rund 25 Mitarbeiter ausschließlich um die Folienentsorgung. „Die enge Zusammenarbeit mit Industriepartnern ist für uns entscheidend. So schaffen wir effiziente Kreisläufe und vermeiden unnötige Transportwege“, erklärte Egger.
Ein zentraler Baustein im Unternehmensverbund ist der Biomassehof Chiemgau, den Schaumaier gemeinsam mit der Landschaftsbaufirma Josef Mayer aus Hart betreibt. Der Standort übernimmt eine Schlüsselrolle in der regionalen Verwertung von Grün- und Strauchschnitt, holzartiger Biomasse sowie organischen Reststoffen. Besonders bedeutend ist die thermische Verwertung, bei der jährlich rund 40.000 Tonnen geeigneter Biomasse energetisch genutzt werden. „Biomasse ist ein wichtiger regionaler Energieträger. Wir leisten hier einen echten Beitrag zur nachhaltigen Wärmeversorgung“, so Egger.
Mit der Schaumaier Akademie betreibt das Unternehmen eine eigene Schulungs- und Weiterbildungseinrichtung. Sie dient nicht nur der Qualifizierung der eigenen Belegschaft, sondern steht auch externen Teilnehmern offen. „Gut ausgebildete Mitarbeiter sind unser größtes Kapital. Deshalb investieren wir bewusst in Wissen, Sicherheit und moderne Arbeitsmethoden“, erklärte Egger. Die Akademie dient für Schulungen und Zertifizierungen zu Entsorgungsprozessen, Arbeitssicherheit, Fahrzeugtechnik und Umweltstandards.
Beim interessanten Rundgang über das Firmengelände gab Egger zahlreiche Einblicke in die unterschiedlichen Materialien, die als Rohstoff gesammelt und weiter vermarktet werden. „Hierbei liegt die Besonderheit im Gespür für den richtigen Markt und Zeitpunkt zum Verkauf einzelner Rohstoffe“, erklärte Egger den Mitgliedern der MU. Insgesamt bereitet Schaumaier pro Jahr rund 255.000 Tonnen Sekundärstoffe auf – von Wertstoffen über Biomasse bis hin zu Materialien für die thermische Verwertung. Diese enorme Menge unterstreicht die zentrale Rolle des Unternehmens in der regionalen Kreislaufwirtschaft.
Doch Egger machte auch deutlich, dass die Branche zunehmend unter langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren leidet: „Wir planen eine neue Halle in etwa zehn Monaten. Aber die Genehmigungsphase dauert dann oft Jahre – und kostet bis zu 140.000 Euro. Da wurde noch nichts gebaggert, nur Papier bewegt.“ Diese Verzögerungen bremsen Investitionen, erschweren Modernisierungen und belasten mittelständische Betriebe erheblich. Dies konnten die vielen Mittelständler unter den Teilnehmern bestätigen.
Zum Abschluss der Besichtigung nutzten die Gäste die Gelegenheit zum intensiven Austausch. Anna Marx, Kreisvorsitzende der Mittelstandsunion Traunstein, sprach die mögliche Einführung der gelben Tonne oder des gelben Sacks im Landkreis an. Claus Egger gab sich hierbei skeptisch: „Das Modell der Wertstoffhöfe ist etabliert und die Sortierquote unschlagbar“, so Egger. „Beim gelben Sack landet fast die Hälfte der Wertstoffe im Restmüll, weil die automatisierte Sortierung nie so exakt arbeitet, wie die Bürger zu Hause bei der Mülltrennung.“